top of page

Warum sich alte Muster wiederholen, obwohl du sie längst erkannt hast

Autorenbild: Natalie Galanakis
Natalie Galanakis
vor 3 Tagen
3 Min. Lesezeit

Du hast eine wichtige Information weitergegeben, klar und rechtzeitig. Vielleicht hast du sogar darauf hingewiesen, was passieren könnte, wenn sie übersehen wird. Ein paar Tage später entsteht genau dieses Problem, und mitten im Gespräch fällt der Satz: „Das hat uns keiner gesagt.“

Du schaust dein Gegenüber an und denkst: „Ich habe es doch gesagt.“ Also erklärst du, wann das Gespräch stattgefunden hat, wer dabei war und was du mitgeteilt hast. Während du redest, merkst du, wie dein Ärger wächst. Du kennst diese Situation, und du bist es leid, hinterher beweisen zu müssen, dass du etwas längst angesprochen hast.

Natürlich kann hier ganz schlicht jemand unaufmerksam gewesen sein. Vielleicht wurden Informationen schlecht weitergegeben, Zuständigkeiten waren unklar oder jemand möchte einen eigenen Fehler nicht eingestehen. Solche Dinge passieren. Auch eine berechtigte Klarstellung braucht ihren Platz.

Für die Musteranalyse wird interessant, was diese Situation in dir auslöst und wie lange sie dich beschäftigt. Kannst du den Sachverhalt klären und anschließend zu deiner Arbeit zurückkehren? Oder führst du das Gespräch innerlich noch Stunden später weiter, sammelst Beweise und überlegst, wie du es beim nächsten Mal noch deutlicher sagen könntest?


„Habe ich doch gesagt.“ Wenn du eine Information längst weitergegeben hast und trotzdem wieder darum ringst, gehört zu werden.
„Habe ich doch gesagt.“ Wenn du eine Information längst weitergegeben hast und trotzdem wieder darum ringst, gehört zu werden.

An dieser Stelle lohnt sich die Frage: Was versuche ich gerade durch meine Erklärungen zu erreichen?


Vielleicht geht es um eine konkrete Verantwortung, die dir zu Unrecht zugeschoben wird. Vielleicht merkst du aber auch, dass du inzwischen darum kämpfst, überhaupt ernst genommen zu werden. Du möchtest, dass endlich jemand anerkennt: Deine Aussage war da. Du hast mitgedacht. Du hast deinen Teil getan.


Wer die Erfahrung kennt, wiederholt übergangen oder überhört zu werden, kann auf eine solche Situation besonders empfindlich reagieren. Ob das bei dir zutrifft und woher diese Empfindlichkeit kommt, lässt sich nur anhand deiner eigenen Geschichte betrachten. Ein einzelner ärgerlicher Moment liefert dafür noch keine fertige Erklärung.


Ein möglicher innerer Satz wäre: „Damit meine Aussage zählt, muss ich sie erklären, wiederholen und beweisen.“ Wenn dieser Satz wirksam wird, kostet jede weitere Erklärung Kraft. Gleichzeitig entsteht die Hoffnung, dass die nächste Formulierung endlich ankommt.

Du kannst diesen Zusammenhang längst erkannt haben und trotzdem wieder in dieselbe Reaktion geraten. Denn auch das Wissen um ein Muster kann neben einer vertrauten Erwartung bestehen bleiben: Wenn ich mich ausreichend bemühe, werde ich gehört.


Mit meinem Algorithmus Modell beschreibe ich das Zusammenspiel solcher inneren Anteile und ihrer jeweiligen Gewichtung.


Da kann ein Anteil sein, der seine Arbeit zuverlässig erledigen möchte. Einer, der verhindern will, dass ihm ein Fehler zugeschrieben wird. Vielleicht auch einer, für den das Überhörtwerden eine alte, schmerzhafte Bedeutung hat. Je nach Situation bekommen diese Anteile unterschiedlich viel Einfluss auf deine Reaktion.


Die Code-Metapher macht dieses Zusammenspiel anschaulich: Du kannst dir bewusst vornehmen, beim nächsten Mal ruhig und knapp zu bleiben. Sobald du dich erneut übergangen fühlst, gewinnt möglicherweise der vertraute Satz wieder an Gewicht, und du beginnst ausführlicher zu erklären, als du eigentlich wolltest.


Der erste praktische Schritt liegt deshalb in einer konkreten Beobachtung. Nimm eine solche Situation und schau genau hin: Was wurde tatsächlich gesagt? Ab welchem Moment wurde dein Ärger stärker? Was wolltest du mit deiner ersten Erklärung klären, und was erhofftest du dir von der fünften?


Vielleicht bemerkst du dabei den Übergang von einer sachlichen Klarstellung zu dem Versuch, deinem Gegenüber Anerkennung abzuringen. Genau dort kannst du eine andere Handlung ausprobieren.


Du könntest sagen: „Ich habe die Information am Dienstag weitergegeben. Wir können jetzt klären, wie wir damit weiterarbeiten.“ Wenn ein Nachweis erforderlich ist, legst du ihn vor. Danach prüfst du, ob weitere Erklärungen noch etwas zur Klärung beitragen.


Das kann sich zunächst ungewohnt anfühlen. Vielleicht bleibt sogar der Ärger, obwohl du diesmal kürzer reagiert hast. Auch das gehört zur Beobachtung: Eine andere Handlung und ein vertrautes Gefühl können gleichzeitig da sein.


Dein inneres Muster macht dich nicht verantwortlich für die Aufmerksamkeit anderer Menschen. Es kann jedoch beeinflussen, wie viel deiner Energie du anschließend in deren Reaktion investierst.


Woran würdest du in deinem Alltag erkennen, dass deine Aussage für dich selbst Bestand hat – auch wenn dein Gegenüber sie gerade nicht würdigt?

 
 
 

Kommentare


bottom of page